Musikgesellschaft Mumpf ( MGM )
BRASS BAND MUMPF
Regional BRASS BAND MUMPF Fricktal
AEW Concert Brass
Swiss Champion 1980
Die Zeit war reif. Doch von den Mitgliedern ahnte es niemand.
Dass man Treize Etoilles schlagen könnte, traute sich keiner nur vorzustellen,
hatten sie doch die letzten zwei Jahre gewonnen und volle Dominanz gezeigt.
In der Tonhalle Zürich aber wurde anders entschieden.
Ton-Aufnahmen
Es war schon eine 10-jährige Tradition, dass alle Konzerte der MGM auf Tonband aufgenommen wurden und danach als Kassetten erhältlich waren. Dies hatte einerseits den Effekt der Selbstkontrolle und andererseits förderte es die Popularität der Band. Die meisten Mitglieder legten sich ein Archiv davon an oder verschenkten sie einfach.
Nun kam etwas Neues dazu. Man spielte mit dem Gedanken, eine Langspielplatte aufzunehmen. Diese sah man als veredeltes Zeugnis des eigenen Kunstschaffens im Gegensatz zu den Live-Kassetten, die eben waren, wie sie waren - live. Geprüft und für gut befunden, wurde mit AMOS, einem ganz jungen und mobilen Studio, ein Erstlingswerk eingespielt. Der Clou daran war, die Band konnte im Saalbau in Stein spielen, wie gewohnt und AMOS zeichnete dabei auf. Das persönliche Verhältnis war ausgezeichnet und die Aufnahmen gelangen prima. Es stellte sich heraus, dass mit „Aufnehmen“ ein unglaublicher Konzentrationseffekt dazu führte, dass das ganze Spiel makelloser wurde. Mit dieser Einstellung dann übten wir für den BB-Contest 1980 in der Tonhalle Zürich. Und hier schliesst die Rückblende zum Beginn der Geschichte. - Mumpf gewann!
Die Musikgesellschaft Mumpf, MGM, nannte sich ab nun „ Brass Band Mumpf „
Europäischer Wettbewerb
Mit dem Sieg in der Tonhalle verpflichtet sich jeder Verein, am Europäischen BB-Wettbewerb teilzunehmen. Das war aufregend, denn das war in London in der Royal Albert Hall. In dem Konzerthaus, das wir mehrmals besucht hatten, um unsere Vorbilder zu bestaunen, sollte nun die BB Mumpf auftreten. Unvorstellbar. Sollte dies etwa heissen, wir würden dann als Vorbilder für andere Bands gelten? Dieser Rolle musste man sich erst einmal bewusst werden und dann ganz sachte hineinschlüpfen. Doch schön der Reihe nach. 1981 war auch das Eidgenössisch in Lausanne. „Man sollte das auch besuchen“, war der Tenor in der Band, das gehört doch dazu und gibt gutes Training für den Herbst. Gesagt, getan. Aber im Herbst stand noch eine weitere wichtige Sache in den Lettern des Konzertprogramms. Albert Brunner hatte sein 20-Jahre Jubiläum und sinnigerweise spielten wir mit und für ihn die Ouvertüre zu „die Macht des Schicksals“ von Giuseppe Verdi. Zudem wurden die Aufnahmen gemacht für eine weitere Langspielplatte ‚Classic in Brass‘ und zum Jahresausklang gab es ein Weihnachtskonzert. Zwischenzeitlich wurde an Hochzeiten gespielt, an Beerdigungen und den 80-jährigen - und ein weiteres Mal im Fernsehen sowie am BB-Contest im Kursaal Bern und an dessen AbendKonzert.
Wahrlich - langweilig wurde es nie.
Royal Albert Hall
Der Auftritt in der Royal Albert Hall bildete natürlich den absoluten Höhepunkt. Allein die Reise mit Flugzeug, Car und London-Taxi war damals aussergewöhnlich. Die Instrumente mussten ja auch mit. Im Hotel brauchte es einen Proberaum und die Fans sollten im gleichen Hotel residieren können. Der Auftritt selbst war eine reine Nervensache. Als Zuhörer wirkt der Saal unglaublich transparent und angenehm klar. Als Spieler fühlst du dich mitten in der Wüste. Alle spielen Fortissimo, aber du hörst nur dich selbst, alle andern sind wie absorbiert. Der Ton geht weg, wie abgesaugt. Du fühlst dich allein. Nein - da ist ja noch das Echo, eine halbe Sekunde später und bringt dich vollends in Rage.
Ein erfahrener Albert-Hall-Player hat es so bestätigt: "Das erste Mal wirst du deswegen erschrecken". Schön, dass ich den Herrn erst nach dem Vortrag getroffen habe … Natürlich gelang uns nicht ganz alles nach Wunsch und die Rangliste sah uns auf Platz 7. Aber das hat niemanden verwirrt, denn Erstteilnehmer schaffen es gewöhnlich nicht in die ersten 5. Also hörten wir uns den „National“-Contest an und machten unsere eigene Rangliste dazu. Sie spielten ‚Blitz‘ von Derek Bourgeois, eine überaus schwierige Komposition mit sehr packenden Musikelementen. Problemlos 19 mal hörte ich mir das an, einmal musste ich austreten, leider.
Der Crash
1982 sollte das Jahr der grossen Entscheidungen werden. Der Verein brauchte vier neue Bass-Tuben. Man war der Meinung, dass der ansehnliche Kaufpreis hauptsächlich vom Verein als auch teilweise von der Gemeinde getragen werden dürfte. Also stellte man den Antrag von 13’000 Fr an die Gemeindeversammlung. Dies war nicht verwegen, denn der Aufwand an Ständchen und gemeinnützigen Auftritten für die Gemeinde war hoch, so hoch, dass die Zahl der jährlichen Zusammenkünfte bei 85 lag, dies der Mittelwert über die letzten 10 Jahre notabene. Die Gemeindeversammlung wurde von aussergewöhnlich vielen Personen besucht. Aufgrund der Meinungsäusserungen hatte wohl die Anti-Bewegung mobil gemacht. Der Antrag wurde abgeschmettert. Da das Quorum nicht erreicht war, blieb dem Verein die Möglichkeit, einen Urnengang zu lancieren. Dies wurde dann auch gemacht und das Resultat war das Gleiche. Ganz klar gab es also im Dorf eine Mehrheit an „Muusig“-Gegnern. Aus welchen Gründen auch immer, eine Mehrheit der Mumpfer wollte ihre Musikgesellschaft nicht mehr mittragen, dies kam klar zum Ausdruck. Faktisch war es der Rauswurf aus dem Dorf.
Die Frage stand nun im Raum: wie reagieren? Der Verein berief eine ausserordentliche Generalversammlung ein, debattierte lange Pro und Kontra und beschloss: Der Verein bleibt nach ZGB bestehen. Domizil bleibt Mumpf. Der Name wird geändert auf „Regional BRASS BAND MUMPF Fricktal“. Ein neues Probelokal wird gesucht. Die Ständchen werden nur noch auf explizite Anfrage gegeben. Auf den Gemeindebeitrag wird verzichtet. Das war der Paukenschlag, der den BLICK auf den Plan rief und der eine Seite -3-Story lieferte mit der Schlagzeile: „In London gefeiert - zu Hause gefeuert“. Die ganze Schweiz wusste nun davon.
Draussen
Der Verein war nun finanziell ganz auf sich selbst gestellt. Austritte gab es keine. Glücklicherweise waren Ehren- und Passivmitglieder nicht abgesprungen und die Fans blieben treu. Der Tonträger-Verkauf brachte etwas ein, Programminserate wurden zum Muss. Gönner wurden gesucht. Kommerz-Konzerte mussten gegeben werden. Letztlich reichte es auf diese Weise, die Mitglieder mussten keinen Beitrag bezahlen. Man musste gleichzeitig auch lernen, dass es zukünftig 3 Arten Auftritte geben würde. Reguläre Konzerte zur Freude der Spieler und der Zuhörer. Kommerz-Konzerte mit gutem Verdienst, aber niemand hört zu. Contest-Auftritte, an denen nicht wirklich Musik gespielt, sondern eine Prüfung abgelegt wird. Nach der ganzen Aufregung im 1982 gelang die Übung am Contest nicht überragend, man erreichte nur den 8. Platz. Die Band musste sich aber auch eingestehen, dass lediglich 6 Proben dafür wohl zu wenig waren.
Das Jahr 1983 nutzte die Regional Brass Band Mumpf Fricktal, um eine weitere LP einzuspielen. Diese sollte lauter Märsche enthalten, denn der Marsch sei ein Grundelement unserer Kultur. Passend. Denn der 'Lange Marsch' zur BBF war nun abgeschlossen.
BBF
Aber Wichtigeres stand bevor. Das ‚Kantonale 83’ in Baden stand vor der Tür. Hier galt es zu glänzen. Und es klappte. Einmal mehr gelang der Gesamtsieg. Was auf kantonaler Ebene ausreichte, genügte auf nationaler Ebene nicht ganz. Am Contest war nur ein 7. Rang drin. Die kommenden Jahre waren geprägt durch mehr Ruhe um die Band und viele Konzerte im In- und Ausland, sogar einige Ständchen inklusive. 1984 leistete sich die RBBMF, so die Abkürzung des neuen Namens, eine neue Uniform. Es war ganz einfach ein Smoking. Die Kleidung mit dem orangen Hemd hatte ausgedient. Gleichzeitig entschied man sich, den Zungenbrecher-Namen zu ersetzen und änderte den Namen auf ‚Brass Band Fricktal‘ oder kurz BBF. - Das gefiel.
Allmählich kamen die guten Ränge am Contest wieder zurück: 1985 war es der dritte. Die BBF arbeitet aber schon wieder an einem weiteren Tonträger mit dem ominösen Titel "Visions". Es sollte eine LP als auch eine CD davon geben. CDs waren der neueste Hype in der Musikszene und man wollte das unbedingt versuchen. Rechtzeitig vor dem nächsten Grossereignis kamen sie raus. 1986 gelang abermals der Coup am Eidgenössischen in Winterthur. Der Verein konnte stolz als Festsieger die Stadt verlassen, jedoch ohne Dirigent! Albert Brunner nahm nach dem letzten Vortrag „The Land of the long white Cloud“ den Bühnen-Ausgang und verschwand für immer. - Er hatte andere Pläne für die Zukunft und machte es kurz und schmerzhaft am Musikfest selbst. Nach 25 Jahren mit der „Mumpfer Muusig“ und den weiteren Vereinen in der Region Zuzgen, Frick, Stein und Büsserach ging sein Wirken im Nordwesten der Schweiz zu Ende. Es zog ihn in die Ostschweiz, wo grosse Stadtmusiken auf ihn warten: St.Gallen, Romanshorn.
Diversität
Ein neues Kapitel wurde aufgeschlagen, mit neuem Dirigent und einigen neuen Spielern.
Ende 1986 war es Pascal Eicher, der den Taktstock übernahm. Eine Koryphäe in der Szene und mit welschem Charme kam er vom Chasseral her. Darauf mussten sich alle erst einmal einstellen. Der Einstieg mit dem Contest gelang gut und es gab einen 5. Rang auf Anhieb. Eicher kam mit anderen Ansichten und Methoden zum Ziel. Effizienz und Konzentration waren seine Eckpfeiler. Das funktionierte sehr gut und alle waren erfreut über die gute Situation. Doch schon bald wurde leider seine Freizeit plötzlich sehr knapp und er beabsichtigte nur noch jede zweite Probe zu machen, bis seine Überlastung vorbei wäre. Dies war aus Sicht der Band eine etwas zu vage Angelegenheit und man beschloss, einen anderen Dirigenten zu suchen. Dieser wurde in der Person von Armin Bachmann gefunden. Bachmann war berühmt als Bass-Posaunist und Mitglied des weltbekannten Slokar-Quartettes. Zudem war er Musik-Professor in Weimar und wohnte in Morschach auf dem Axenstein, also auch nicht gerade um die Ecke. Armin war auch bei uns ein Künstler mit spontanem Auftritts-Flair. Ihm war der Ausdruck in der Musik, die Atmosphäre wichtig und auch einmal wichtiger als die geschriebene Note, um an Stil oder Qualität zu gewinnen. Für unsere Konzerte war dies natürlich eine ideale Mischung. Schon bald war wieder ein Kantonales in Bremgarten 1988 fällig. Die BBF erreichte den 2. Rang.
Mit ihm spielte die Band ein zweites Mal am Europäischen BrassBand Contest 1988, diesmal in Luzern. Eine Verpflichtung, die vom Eidgenössischen 86 herrührte. Und eben so auch am Grossen Preis von Birmenstorf, an dem die 3 besten Bands der Schweiz eingeladen wurden, ein Unterhaltungsprogramm zu bieten.
An BB-Contests kann eine zu weite Interpretation zu Abzügen führen, denn da muss dem Notentext getreu gefolgt werden. Bachmann war dies bewusst, jedoch nicht seine absolute Vorliebe und er schlug die Lösung vor, dass ein anderer Dirigent die Contests leiten sollte. Diese Methode sollte 1990 erstmals in Anwendung treten. Der Contest-Dirigent konnte gefunden werden. Es war Andreas Spörri.