Musikgesellschaft Mumpf ( MGM )
BRASS BAND MUMPF
Regional BRASS BAND MUMPF Fricktal
AEW Concert Brass
Kantonaler Erfolg
Diese Erfolgsreihe wurde auch von den Massenmedien erkannt und die Musikgesellschaft wurde zu Radio-Aufnahmen nach Basel eingeladen. Weiter kam es zu mehreren TV-Auftritten in den 70er-Jahren. Das war zu dieser Zeit doch sehr aussergewöhnlich, besonders für eine „Musik vom Dorf“, denn damals standen Stadtvereine wie Aarau, Baden, Brugg und weitere grosse Blasmusiken wie Wettingen-Kloster, Jägermusik Wettingen, Muri, Fislisbach oder Gebensdorf im Rampenlicht. Die Brass Band Bewegung war noch sehr jung und nur wenige wagten das Abenteuer. Der schweizerische BB-Verband wurde erst 1974 gegründet. Im gleichen Jahr bildete sich eine Brass Band im Raum Lenzburg, die heutige BBI. Der Gründungs-Dirigent war kein Unbekannter: André Winkler. Für Albert Brunner ein rotes Tuch - sie wurden nie Freunde.
Legendäre britische Bands als Vorbild
Doch wer die britischen Bands einmal gehört hatte, war vollends begeistert bis weggetreten. Sie waren unserem Blasmusikwesen 50 Jahre voraus! Es war in den 70ern Mode geworden, im Oktober an den Brass Band Contest nach London zu pilgern. In der Royal Albert Hall massen sich die 20 besten Bands aus Grossbritannien. Am Abend dann das Massed-Band Konzert mit drei auserlesenen Bands - ein Anlass der Superlative! Man versuchte, die besten Bands auf eine Tournee in die Schweiz zu holen, was immer häufiger gelang. So spielte auch die Brighouse Rastrick Band 1975 im Saalbau Stein und 1977 die Legenden umwobene Black Dyke Mills Band mit Peter Parks als Dirigent und Roy Newsome als Band-Trainer. Wer die Bands gehört hatte, ging mit Tränen in den Augen aus dem Saal und nicht wenige hatten insgeheim den Wunsch, einmal auch nur annähernd so spielen zu können. Denn es ist ähnlich dem Bergsteigen. Solange der Mount Everest nicht bestiegen war, galt er als unbezwingbar. Doch als die ersten es geschafft hatten, folgten die Nachahmer und es gelang abermals. Heute wissen wir, dass es zu Stau am Everest kommt, so viele wollen da rauf. Etwa ähnlich erging es der Brass Band Bewegung. Die Musikgesellschaft Mumpf gehörte zu den ganz frühen Vertretern. Und die Mitglieder waren angesteckt - vom "Brass Band Virus". Natürlich waren es die jüngeren im Verein, die als Triebfeder wirkten. Sie brachten ihre angesteckten Freunde mit in die Band und wollten „verrücktes Zeug“ spielen. Dies gab auch intern Diskussionen, denn die Verpflichtungen gegenüber dem Dorf mussten eingehalten werden. Allein im Jahre 1974 ergaben sich so 94 Zusammenkünfte! So spielte man beispielsweise am Ständeli „Frohes Wiedersehen“ von Emil Würmli und am Konzert „Washington Crays“ von Grafulla oder „Mars“ von Gustav Holst.
Keine fremden Mitglieder
Das ging dann einigen Dorfbewohnern doch zu weit. Sie monierten, man spiele nicht mehr für das Dorf, sondern mit Auswärtigen für Auswärtige. Dass dies einen gewissen Wahrheitsgehalt hatte, war auch intern erkannt worden, denn der Anteil Konzertbesucher aus dem Dorf hatte nicht zugenommen. Man löste das Problem dahingehend, dass man ein Herbst-Konzert einführte, mit einem moderaten und populären Programm sowie Beinschinken mit Kartoffelsalat als Beilage. Doch das Dorf-Problem blieb nicht nur bestehen, es vergrösserte sich zunehmend. Mittlerweile war der Anteil der Spieler aus dem Dorf etwa gleich wie derjenige der Auswärtigen und die Mumpfer im Verein hatten es nicht leicht, dies dem Dorf zu vermitteln. Andererseits verweigerte sich das Dorf bei der Neuausbildung von Bläsern und schickte die Jungen in andere Vereine. Die Musikgesellschaft war in eine verzwickte Lage geraten, aus der es kaum ein Entrinnen gab. In dieser Situation schien es nur eine gangbare Lösung zu geben: nach Vorne. Es war seit Beginn der 70er schon so, dass die Lücken nicht mit Jungbläsern gefüllt werden konnten, wenn es Abgänge gab. Also schaute man im Freundeskreis und löste das Problem so. Doch erst 1974 ergab sich die Umstellung auf reine Brass Band Besetzung. Vorher waren die Es-Horn-Stimmen durch Sax-Alto besetzt und das Soprano-Cornet durch ein Sopran-Sax. Die Baritone wurden mit Euphonien gespielt und die Bass-Posaune war eine Tenor-Posaune. Erinnern wir uns an 1973 „Reinach“, diese Besetzung hatte bei Brass-Kennern ziemliches Kopfschütteln ausgelöst. Nach einigen Jahren in reiner Brass-Besetzung wurde der Sound ausgewogener und es tönte manchmal fast ein wenig wie bei den Vorbildern aus Britannien. Eine Episode aus dem Jahre 74 soll jedoch nicht unerwähnt bleiben.
Musikfeste ausser Kanton
Der Besuch des Kantonalen Musikfestes in Pratteln stand auf dem Plan. Der Verein hatte „Le Carneval Romain“ von Hector Berlioz vorbereitet. Es war ein heisser, gewittriger Sommertag und entsprechen schwül. Der Vortrag wurde wegen der Hitze sehr schwierig, aber das Publikum gab danach einen frenetischen Applaus. Der Juror, Herr Paul Huber schrieb sinngemäss in den Bericht: „Die Auswahl dieses Werkes für Brass Band ist eine Verballhornung der Ouvertüre von Berlioz… - und die Jury fragt sich, wie 25 Mann physisch überhaupt in der Lage sind, eine solche Lautstärke zu entwickeln“.
Aber zurück zu den wahren Problemen der Zeit. Es war die ehrliche Absicht, den Kontakt zur Dorfbevölkerung zu erhalten, zu verbessern und nicht abbrechen zu lassen, obwohl es zu Misstönen gekommen war. Und so plante man für 1977 ein grosses Fest zum 100 jährigen Bestehen der Musikgesellschaft. Die Anhänger der ‚Muusig’ und viele Auswärtige besuchten das Fest, die Gegner glänzten nicht nur mit Abwesenheit, sie formierten sich zu einer Anti-Bewegung.
Swiss Contest
Für die Musikgesellschaft Mumpf, alias MGM, ging es weiter. Die Musikanten wollten ernsthaft ihr Hobby ausleben und dabei viel Neues entdecken. Die Brass Band Bewegung in der ganzen Schweiz begann sich zu formieren und noch 1977 wurde der Eidgenössische BB Verband gegründet, der unter anderem zum Ziel hat, Wettbewerbe zu organisieren. Die MGM war für diese Angelegenheit noch nicht bereit. Immerhin stand noch das „Kantonale 78“ in Frick bevor. Hier wollte man besonders gut abschneiden, was auch ausgezeichnet gelang. Sowohl Konzertmusik wie Marschmusik wurden mit Maximalnoten bewertet. Die MGM durfte als Festsieger nach Hause kehren. Nach diesem grandiosen Auftritt war es nur eine logische Folgerung, dass der Verein versuchte, noch einen Schritt weiterzugehen und sich für den Schweizerischen BB-Wettbewerb anmeldete. Dieser war im November 1979. Man bereitete sich so gut wie denkbar vor und versuchte einen Anlauf. Das Stück hiess „Changing Cells“ von Fritz Vögelin. Er war ein weltweit agierender Musiker, Dirigent und Professor. Seine Ideen sprengten den Rahmen des Gewöhnlichen und aus diesem Grund wurde er, insbesondere von der Blasmusikwelt, nicht immer verstanden. Möglicherweise war das unter den Juroren des Wettbewerbes ähnlich, denn aufgrund der Punktzahlen der 3 Jurymitglieder waren wir bei dem einen auf Platz 3, beim anderen auf Platz 2, beim letzten gar auf Platz 1. Nun, gewonnen haben schliesslich die Walliser. Aber von diesem Tag an wurden die Punktzahlen nur noch als Total veröffentlicht …
Die MGM beschloss, von nun an jedes Jahr teilzunehmen, denn der Wettbewerb war ein motivierender Event, ein Highlight für den Verein und ein erlebnisreicher Jahresabschluss.