Musikgesellschaft Mumpf ( MGM )

BRASS BAND MUMPF 

Regional BRASS BAND MUMPF Fricktal 

AEW Concert Brass


Aufstieg mit Nebenwirkungen



Sie versuchte sich ein weiteres Mal am Kantonalen in Luzern 1971 und schloss mit einem hervorragenden Rang in der 1. Klasse ab. Ein Aufstieg in dem Masse blieb weder bei den Dorfbewohnern noch den Aargauern, ja den Schweizer Blasmusikvereinen unbemerkt. Man fragte sich, wie das gehen sollte. Unzählige hatten es auch versucht, ohne Erfolg. Neben Bewunderung gab es natürlich auch Missgunst. Wie heisst es doch: Dem Erfolgreichen ist der Neid gewiss. Und ganz so angenehm war dies für die Musikgesellschaft nicht, denn im Dorf selber hatten sich schon vereinzelte Stimmen dazu gemeldet, denen dies nicht gefiel. Für den Verein gab es jedoch keine Zweifel. Man gab die Konzerte im Dorf, spielte die Ständeli für die Betagten, am Muttertag, bei kirchlichen Anlässen und wenn Vereine abzuholen waren.  

Der wunde Punkt lag darin, dass man bereits angefangen hatte, talentierte und interessierte Musikanten aus den Nachbardörfern einzuladen, im Verein mitzuwirken. Das stiess den Einheimischen etwas sauer auf, dass es nicht nur ihresgleichen Personen im Verein hatte. Als wirkliches Problem wurde es aber nicht angesehen, waren es doch zu der Zeit weniger als eine Handvoll.




Eigener Musiktag

1972 führte der Verein einen Musiktag durch. Das war eine grössere und handfestere Angelegenheit mit Festhütte, Abendunterhaltung, Konzertlokal für 30 teilnehmende Vereine und eigene Teilnahme als Musikverein. So kennt man auch heute noch den „Musiktag“, ein ordentlicher Aufwand für den durchführenden Verein. Damals machten die „Rocker“, also Motorradbanden, die von Anlass zu Anlass zogen, um Radau zu machen ihre Kreise. Auch Mumpf blieb nicht verschont davon, sie kamen gegen Mitternacht in die Festhütte und wollten alles zusammenschlagen. Glücklicherweise gelang es, sie zurückzuhalten und es passierte nicht allzu viel und sie zogen wieder von Dannen. Umgeworfene Bänke und Scherben hatten sie hinterlassen, keine Verletzten.





Der Sprung in die Höchstklasse 


Der Musiktag war die Hauptprobe für ein grösseres Unterfangen. Man hatte am Sonntagmorgen das Stück „Rhapsodie in Brass“ gespielt, das seinerzeit in der Höchstklasse eingestuft war. Allein schon, dass der Vortrag neben den aufwendigen Festaktivitäten sehr gut gelungen war, gab Albert Brunner wohl das sichere Zeichen, dass mit dieser Gruppe noch mehr zu machen war. Nach einer längeren internen Debatte hatte sich nämlich der Verein entschlossen, am kommenden Musikfest 1973 in Reinach in der Höchstklasse anzutreten. Das war eine gewagte Angelegenheit. Man hatte das Gefühl, mit „Rhapsodie in Brass“ ein Stück der oberen Kategorie gewählt zu haben und glaubte, dass ein Aufgabestück in gemässigtem Schweregrad zu erwarten sei. Also erfolgte die Anmeldung wie vereinbart. Doch acht Wochen vor dem Fest kamen dann alle auf die Welt, als das Aufgabestück auf dem Notenständer lag. Es hiess „Plantagenets“ und war in einer für uns sehr fremdartigen Weise komponiert. Die Musikanten wussten nichts anzufangen damit. Entsprechend war dann die erste Probe ein reines Buchstabieren von Noten, die nicht zueinander passen wollten. Den Sinn der Musik verstand niemand. Schräge Akkorde wechselten mit Kadenzenspiel und komplizierten Rhythmen. Der eine oder andere Musikant fühlte sich verloren. Damit hatte niemand gerechnet. Brunner musste ein weiteres Mal sein ganzes Überzeugungsspektrum aufwenden, um dem Unternehmen Fahrt zu verleihen. Das konnte er sehr gut. Argumentieren, motivieren und ignorieren. Neben klaren Worten zu den Anforderungen und Zielen gab es immer auch einen Schuss Witz dazu, eine abschätzige Bemerkung zur Konkurrenz oder eine Vision unseres zu erwartenden Erfolges. Jeder Mitspieler verstand seine Sprache und Gestik eindeutig und klar. Aussenstehende hatten derweilen Mühe damit. Die Atonalität des Aufgabestückes musste auch er zuerst erkennen und dann vermitteln. Danach aber ging es vorwärts, Schritt für Schritt. Vor dem Auftritt am Musikfest mussten wohl der eine oder der andere Bilanz gezogen haben über das bevorstehende Vorhaben und eine gewisse Nervosität mit weissen Gesichtern machte sich breit. Es war klar, wir spielten komplett am Limit. Das Selbstwahlstück war zwar zum Dessert geworden, jedoch das Aufgabestück gab einfach hart zu beissen. Wir fühlten uns nicht sicher. Es hätte ein Unfall passieren können mit verheerendem Ausgang. Allen war das klar. Irgendwie musste man damit zurechtkommen. Wir richteten uns auf der Bühne ein und warteten auf den Gong-Schlag. Unser Herzschlag war wohl lauter. Ein paar Takte Einleitung und dann schon erste solistische Kadenzen über mehrere Register. Das war heavy und Adrenalin-treibend. Wir wussten, wenn das überstanden war, hatten wir die Hälfte geschafft. Und es gelang! Zwar nicht wirklich brillant, aber solide und fehlerfrei, musikalisch, zugegeben, kein Höhepunkt. Es gab noch eine zweite Klippe zu nehmen, die wir hingegen erstaunlich gut meisterten. Am Ende des Stückes brandete der Beifall des Publikums, das uns Zuneigung bis Ehrfurcht erweisen liess. Ich war damals gerade gute 16 und hatte das Gefühl, etwas Ausserordentliches geleistet zu haben. Die Kampfrichter hielten die Tafeln in die Höhe und es gab gute Punktzahlen. Es gab damals nur 2 Teilnehmer in der Brass Band Höchstklasse : Mumpf und Schötz. Schötz mit ihrem renommierten Dirigenten André Winkler (Bürgermusik Luzern) war gekommen, um das Fest etwas zu „bereichern“. Das war ihnen gelungen, aber das Aufgabestück spielten sie nach unserer Ansicht nicht wirklich besser, erhielten aber ein paar Punkte mehr als wir. Der Jury-Entscheid jedoch war massgebend und zu akzeptieren. Nun, wir hatten noch einen Trumpf, den wir dann in gelöster Konzentration zelebrieren wollten - unsere „Rhapsodie in Brass“. Sie gelang uns meisterhaft, packend, fehlerlos und überzeugend. Damit erhielten wir die höchste Punktzahl des Festes. Das Publikum war ausser sich, es applaudierte so lange, dass es eine Verspätung im Spielplan gab. Kaum hatte die eine Ecke abgeklungen, setzte eine weitere Gruppe neu an. Unglaublich, dieses Feeling! Wir badeten im Erfolg und es wollte kaum enden. Letztendlich war dann doch Schötz Festsieger, aber für mich hatten wir gewonnen, einen Haufen Selbstvertrauen, Auftrittserfahrung und Spiel-Sicherheit. Dies war 1973.



Fazit


Reinach war ein Meilenstein. Die Band wusste nun, dass sie musikalisch bestehen konnte, auch unter schwierigsten Bedingungen. Das gegenseitige Vertrauen war gestärkt und der Auftritt selbst hatte Suchtpotential.